Stolpersteine für die Stadt Osterholz-Scharmbeck

Hartmut Oberstech, u.a. 2. Vorsitzender des Arbeitskreises MUNA Lübberstedt, hat in einem Schreiben an die Verwaltung der Stadt Osterholz-Scharmbeck angeregt die Idee der Stolpersteine in der Stadt wieder aufleben zu lassen.  Die Redaktion der Seite Spurensuche im Kreis Osterholz 1933-1945 unterstützt diese Anliegen.

Im folgenden hat es dazu bisher folgende Anfragen bzw. Schriftwechsel gegeben:

25.2.2020: E-Mail von Hartmut Oberstech an die Rathausverwaltung und an Peter von Doellen (Weser Kurier):

„Guten Tag,

obwohl einmal abgelehnt … wollte ich einmal anfragen, ob gerade aufgrund der aktuellen Situation in unserem Lande eine Wiederaufnahme des Verlegens von Stolpersteinen nicht machbar wäre. Zudem gibt es ja von der Stadt herausgeben das Buch „Jüdische Bürgerinnen und Bürger in Osterholz-Scharmbeck“. In Bremen wurde eine Schule nach Frau Katz benannt. Carl Katz wurde in OHZ geboren. Alle diese Personen und Daten und Häuser sind in Vergessenheit geraten. Ich denke mann sollte die Idee der Stolpersteinverlegung wieder aufnehmen. Was ist zu tun?…“

 

1.3.2020: Anfrage zum Thema Stolpersteine durch die Redaktion des Webseite Spurensuche:

An Gruppe „Spurensuche“ und an:

h.vinke@t-online.de, info@spd-ohz.de, herbert.behrens@die-linke-ohz.de, info@cdu-osterholz-scharmbeck.de, info@fdp-osterholz.de, info@buergerfraktionohz.de, info@gruene-osterholz.de, Kreisarchiv, <kreisarchiv@landkreis-osterholz.de>

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freunde und Unterstützer der Webseite www.spurensuche-kreis-osterholz.de

folgenden Brief hat Hartmut Oberstech (siehe E-Mail vom 25.2.2020) vor kurzem an die Stadtverwaltung in   Osterholz-Scharmbeck geschickt.

Ich würde mich freuen wenn Sie/Ihr, dass in dem Brief geschilderte Anliegen, sprich das Verlegen von Stolpersteinen auch in Osterholz-Scharmbeck, unterstützen würden/würdet, insbesondere unter dem Aspekt, dass gerade in der heutigen Zeit ein im Alltag sichtbares Zeichen der Erinnerung an die Gräueltaten des NS- Regime immer wichtiger wird.

Reaktionen und Anworten auf das Schreiben von Hartmut Oberstech werden auf der Webseite veröffentlicht werden.

Mit freundlichen Grüßen Manfred Bannow (Historiker)

 

 

2.3.2020: E-mail von Dr. Lars Hellwinkel (Mitarbeiter der Stiftung Lager Sandbostel)

Lieber Herr Bannow, lieber Herr Oberstech,

ich kann Sie beide nur ermutigen, diesen Weg in Osterholz-Scharmbeck weiterzugehen. Auch in Stade wurde der Antrag zu Stolpersteinen zunächst abgelehnt, heute gehören die später dann doch auf Druck der Einwohnerschaft verlegten Stolpersteine fest zur städtischen Gedenkkultur und die Touristinformation bietet heute sogar Führungen an. Zu Osterholz-Scharmbeck möchte ich Sie im Rahmen unserer Recherchen zu den Einzelgräbern von Opfern des Stalag XB in der Elbe-Weser-Region auch noch einmal darauf hinweisen, dass die Namen der in Osterholz-Scharmbeck verstorbenen und auf dem Willehadi-Friedhof beerdigten Zwangsarbeiter zwar mit Gräberliste bekannt sind (siehe Anlage), die auf dem Gräberfeld liegenden Steinplatten enthalten jedoch nur die Namen russsicher Kriegsgefangener des Ersten Weltkrieges, ich gehe hier von einer Überbettung während des Zweiten Weltkrieges aus. Die Namen der in Osterholz-Scharmbeck während des Zweiten Weltkrieges verstorbenen Zwangsarbeiter werden damit aber nicht benannt, ein Verstoß gegen das Gräbergesetz. Auch auf dem Jüdischen Friedhof, auf dem nachweislich sowjetische Kriegsgefangene beerdigt wurden, erinnert kein Stein an diese Männer.

Mit besten Grüßen

Dr.Lars Hellwinkel

 

19.3.2020: E-mail von Wilfried Pallsasch (Mitglied der Bürgerfraktion in der Stadt Osterholz-Scharmbeck)

Sehr geehrter Herr Bannow.

Mich erreichte die Anfrage, wie wir zum Thema „Stolpersteine“ stehen.

In der Bürgerfraktion und in der Bürgerfraktionsgruppe sind keine Tendenzen zu erkennen zusätzlich zu dem vorhandenen Mahnmal Stolpersteine zu setzen. Die Idee mit den Stolpersteinen ist uns bekannt. Städte die keine eigenen Ideen entwickelt haben können sich natürlich gut bei diesem System einkaufen.

Sicher ist Ihnen das speziell für unseren besonderen Standort entworfene Mahnmal bekannt. Hier stell sich ein stabiler Tisch in den Weg der Fußgänger. In der Innenstadt wird eindeutig erinnert und gemahnt. Nicht nur, dass diese künstlerische Anlage im städtischen Alltag wahrgenommen wird, von hier beginnen viele Aktionen zum Thema „Judenverfolgung“ du speziell zu den Geschehnissen in unsere Stadt. Eine aktive Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern setzt sich in lobenswerter Weise „gegen das Vergessen“ ein.

Auf diese Art und Weise mit dem Thema „Judenverfolgung“ umgehen zu können sind wir stolz.

Mit freundlichem Gruß

W.Pallasch

 

 

21.3.2020: E-mail von Dr. Lars Hellwinkel (Mitarbeiter der Stiftung Lager Sandbostel)  – die E-mail bezieht sich auf die Antwort von Herrn Pallasch

Lieber Herr Bannow,

die Argumentation ist mir aus Stade bekannt, Sie sollten an die Schulen herantreten, vielleicht an die IGS OHZ, die uns auch regelmäßig in Sandbostel besucht, wenn Schüler solche Stolpersteine bei ihren Städten beantragen, können die Ratsherren schon fast gar nicht mehr nein sagen.

Außerderm verweise ich erneut auf die Tatsache, dass in OHZ weder die Namen der Zwangsarbeiter auf dem Willehadi- Friedhof, noch die Namen der auf dem Jüdischen Friedhof verscharrten sowjetischen Kriegsgefangenen genannt werden, obwohl die Namen bekannt sind.

Da gäbe es noch so einige Baustellen in OHZ, die mit dem Verweis auf das Mahnmal leider nicht so einfach aus der Welt geräumt werden können.

Mit besten Grüßen

Dr. Lars Hellwinkel

 

21.3.: E-Mail an Herr Pallasch durch die Redaktion der Webseite Spurensuche

Sehr geehrter Herr Pallasch,

ich bedanke mich für Ihre Antwort. Ihre Auffassung das  sich Städte , die keine Ideen in punkto Erinnerungskultur  in das System Stolpersteine einkaufen, kann ich nicht   nach vollziehen. So gibt es inzwischen in ganz Deutschland rd. 75000 Stolpersteine und Städte bzw. Gemeinden wie Bremen, Hamburg, Lübeck, Bad Schwartau und die Gemeinde Ritterhude haben z.B. sicherlich keine Stolpersteine verlegen lassen, um sich in das System Stolpersteine einzukaufen (in diesen Städten bzw.Gemeinden habe ich im Rahmen von Projekten zur Erinnerungskultur gearbeitet). Falls Sie mir eine Stadt nennen könnten, die sich ins das System Stolpersteine eingekauft hat, wäre ich Ihnen dankbar.

Des weiteren möchte ich anmerken, dass das Gedenken an die Bürger und Bürgerinnen jüdischen Glaubens ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur ist, dass aber auch in  der Stadt Osterholz-Scharmbeck z.B Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter umgebracht worden sind und auf dem Willehadi-Friedhof (Zwangsarbeiter) bzw. auf dem jüdischen Friedhof verscharrt worden sind. Meines Erachtens tauchen deren Namen im Rahmen der Erinnerungskultur in OHZ nicht auf. Für diesen Personenkreis wären Stolpersteine z.B. eine angemessene Erinnerungsmöglichkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Bannow

 

23.3.: E-Mail von Brigitte Stürmer zum Thema Stolpersteine in Osterholz-Scharmbeck

Moin Manfred,

Erstens stellt sich das Mahnmal nicht in den Weg der Fußgänger, es ist diskret abseits aufgestellt.

Zweitens, diejenigen die sich „lobenswert“ gegen das Vergessen einsetzen sind eher Ältere, ohne die das Thema bald vergessen sein wird. …

Drittens, es gibt zu viele Häuser und Geschäfte in OHZ vor denen ein Stolperstein die Erinnerung an eine verlorene Kultur , an Nachbarn und Freunde installiert werden müssten. Tja, an Jüdisches Leben in OHZ wird sich dann irgendwann niemand mehr erinnern. Auch nicht an die anderen Opfer der Nazi Zeit.

Liebe Grüße

Brigitte