Wenzel Drab – Zwangsarbeiter bei Firma Gottfried Stehnke

Todesanzeige Wenzel Drab
Wenzel Drab
Koppelstr.31

Im Verlauf des 2.Weltkrieges stieg die Zahl der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die für deutsche Firmen arbeiten mussten, ständig an. Im Spätsommer 1944 wurden rd. 8 Millionen Menschen im Deutschen Reich zur Zwangsarbeit eingesetzt. In Osterholz-Scharmbeck setzten die Firmen Melchior und Theile, das Baugeschäft H.Werkmeister, die Torfwerke Pennigbüttel, die Reiswerke, die Drettmann-Werke, die Mololan-Werke/Schiemann u.Co und das Bauunternehmen Gottfried Stehnke im größeren Umfang Zwangsarbeiter ein. (1) Der tschechische Staatsbürger Wenzel Drab musste bei dem Bauunternehmer Gottfried Stehnke arbeiten.  Drab war Jahrgang 1902 und von Beruf Maurer. (2)

Ab 1942 kam es immer mehr zu Massentransporten tschechischer Staatsbürger ins Deutsche Reich, die auf der Grundlage von Dienstverpflichtungsbescheiden stattfanden. Eingesetzt wurden die tschechischen Zwangsarbeiter in untergeordneten Arbeiten in deutschen Fabriken, in der Landwirtschaft, bei der Eisenbahn, beim Bau von Befestigungsanlagen, beim Bunkerbau und bei Aufräumarbeiten nach Luftangriffen.  Ab dem 10.6.1944 arbeitete Wenzel Drab nicht mehr bei der Firma Stehnke, sondern war nach Bremen-Farge gebracht worden. (3)

Aus der Sterbeurkunde für Drab geht hervor, dass er eine Zeit lang im „Bremen-Farge Lager“ gewohnt hätte.(4) Es ist anzunehmen, dass Drab in das Arbeitserziehungslager der Gestapo in Bremen-Farge gebracht wurde, da er wahrscheinlich nach Auffassung des Unternehmens nicht ordentlich gearbeitet hatte.

Wenzel Drab kam am 11.9.1944 um 14.45 Uhr im Haus Reddersen im Luisental 5 in Bremen um, als Todesursache wurde eine Hirnhautentzündung und Tuberkulose angegeben.(5)  Beim Haus Reddersen handelte es sich ursprünglich um eine Pflege- und Erziehungsanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. Im Jahr 1939 wurde das Haus Reddersen aufgelöst und als Hilfskrankenhaus dem St.Joseph-Stift übergeben. Anfang 1944 wurde das Haus Reddersen zum Krankenhaus für Zwangsarbeiter. Zwischen 1944-Mai 1945 kamen gut 1000 nicht mehr arbeitsfähige Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten ins Haus Reddersen. Eine Schwester, die in diesem Zeitraum in dem Gebäude arbeitete, erinnerte sich: „Sie alle waren so elend und ohne Hoffnung… und sie hatten Angst, als sie zu uns kamen.“(6)

(1) vgl.: ITS Archiv Bad Arolsen, Archiv-Nr.9386 (AOK-Listen)

(2) vgl.: ebd.

(3) vgl.: ITS Arolsen: Sterbeurkunde von Wenzel Drab

(4) vgl.: ebd.

(5) vgl.:ebd.

(6) vgl.: Gerda Engelbracht, Das Haus Reddersen, S.58-60, Bremen 1995

Autor: Manfred Bannow

 

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Diese Seite wurde zuletzt am 17. November 2020 geändert

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