Erinnern für die Zukunft – Projekte im Kreis Osterholz

Das Kofferprojekt der Grundschule Ihlpohl – Eine Ausstellung der Schüler  der Grundschule   Ihlpohl im Ritterhuder Rathaus

Bereits im 11.Jahr beschäftigen sich die Grundschüler der GS Ihlpohl  mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Demokratiebildung.

Ausgehend von der besonderen Adresse an der die Grundschule Ihlpohl liegt, wird das Denkmal in jedem Jahr als wichtige Bildungsressource in den Lehrplan integriert. Das Denkmal an der Straße „Am Denkmal“ erinnert an die 47 in beiden Weltkriegen gefallenen Ortsbewohner.

Es zeigt sich alljährlich, dass das Interesse der Kinder an der historischen Vergangenheit Deutschlands sehr groß ist. Während einer Exkursion durch die Denkmallandschaft Ritterhudes erfahren die Schüler, dass auch die Stolpersteine Denkmäler sind. Sie sind Gedenksteine an Opfer der Zeit des Nationalsozialismus, u.a. für Juden, politische Gegner, Behinderte und Homosexuelle, die unter Hitler litten.

In der jährlich stattfindenden Unterrichtseinheit bekommen die Schüler anhand von Portraits von Zeitzeugen vermittelt, was Diktatur und Krieg für den einzelnen Menschen bedeutet. Im Laufe der Arbeitsphase fällt den Schülern auf, dass ein Bezug zur heutigen Zeit geknüpft werden kann.

Was sind Gründe für Migration und wie sind die Auswirkungen für den Einzelnen und die Gesellschaft? Die Schüler versetzen sich anhand verschiedener Lebensgeschichten verfolgter in die Zeit des Nationalsozialismus im Sinne eines Perspektivwechsels in die Situation eines anderen.

Anhand von gut vorbereiteten Lehrmaterial werden verschiedene Fragen in den Fokus gerückt:

  •   Was bedeuteten die anti-jüdischen Verordnungen für das Leben und den Alltag der jüdischen Menschen?
  •   Welche heute gültigen Menschenrechte wurden den Machtmissbrauch Hitlers verletzt?
  •  Was würdest du tun, wenn du plötzlich aus deinem Heimatland flüchten müsstest?
  •  Was würdest du in deinen Koffer legen, wenn du nur wenig mitnehmen dürftest?
  •  Woran möchtest du dich erinnern?

Ausgehend von diesen Fragestellungen gestalteten die Schüler ihre individuelle Erinnerungskoffer für die jährliche Ausstellung im Rathaus Ritterhude zum Gedenken an die Reichspogromnacht.

 

 

Projekt: Stolpersteine für die Stadt Osterholz-Scharmbeck:

Im Jahr 2011 hat sich die Stadt Osterholz-Scharmbeck gegen die Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen. Hartmut Oberstech, der in Osterholz-Scharmbeck lebt und 2.Vorsitzender des Arbeitskreises MUNA Lübberstedt ist, hat die Stadtverwaltung, mit der Frage  nach der Verlegung von Stolpersteinen im Stadtgebiet, angeschrieben. Die Redaktion der Webseite Spurensuche unterstützt dieses Anliegen und veröffentlicht im folgenden die dazu eingehenden Stellungnahmen von Parteien, Organisationen und Einzelpersonen:

25.2.: E-Mail von Hartmut Oberstech an die Verwaltung der Stadt Osterholz-Scharmbeck und Herrn Peter von Doellen  vom Weserkurier:

Guten Tag,

Obwohl einmal in 2011 abgelehnt  wollte ich einmal anfragen , ob gerade aufgrund der aktuellen Situation in unserem Lande eine Wiederaufnahme des Verlegens von Stolpersteinen nicht machbar wäre. Zudem gibt es ja von der Stadt herausgegeben das Buch “ Jüdische Bürgerinnen und Bürger in Osterholz-Scharmbeck” . Und auch den von Schülern entwickelten Ortplan aus der Zeit der Nazi Herrschaft.In Bremen wurde eine Schule nach Frau Katz benannt. Carl Katz wurde in OHZ geboren. Alle diese Personen und Daten und Häuser sind in Vergessenheit geraten.

Ich denke man sollte die Idee der Stolpersteinverlegung in OHZ wieder aufnehmen. Was ist zu tun ?

Können Sie meine Email an die entscheidenden Stellen wie Bürgermeister / Kulturauschuss weiterleiten?

Gruss

Hartmut Oberstech

 

1.3.: E-Mail der Redaktion der Webseite Spurensuche an die im Rathaus von Osterholz-Scharmbeck vertretenen Parteien, das Kreisarchiv (mit der Bitte um Stellungnahme) und die Gruppe Spurensuche:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freunde und Unterstützer der Webseite www.spurensuche-kreis-osterholz.de folgenden Brief hat Hartmut Oberstech vor kurzem an die  Stadtverwaltung in   Osterholz-Scharmbeck geschickt (siehe E-Mail vom 25.2).

Ich würde mich freuen wenn Sie/Ihr, dass in dem Brief geschilderte Anliegen, sprich das Verlegen von Stolpersteinen auch in Osterholz-     Scharmbeck, unterstützen würden/würdet, insbesondere unter dem Aspekt, dass gerade in der heutigen Zeit ein im Alltag sichtbares Zeichen der  Erinnerung an die Gräueltaten des NS- Regime immer wichtiger wird. Reaktionen und Anworten auf das Schreiben von Hartmut Oberstech werden auf der Webseite veröffentlicht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Bannow (Historiker)

 

2.3.: E-Mail von Dr.Hellwinkel (Mitarbeiter der Stiftung Lager Sandbostel)

Lieber Herr Bannow, lieber Herr Oberstech,

ich kann Sie beide nur ermutigen, diesen Weg in Osterholz-Scharmbeck weiterzugehen. Auch in Stade wurde der Antrag zu Stolpersteinen zunächst abgelehnt, heute gehören die später dann doch auf Druck der Einwohnerschaft verlegten Stolpersteine fest zur städtischen Gedenkkultur und die Touristinformation bietet heute sogar Führungen an.Zu Osterholz-Scharmbeck möchte ich Sie im Rahmen unserer Recherchen zu den Einzelgräbern von Opfern des Stalag XB in der Elbe-Weser-Region auch noch einmal darauf hinweisen, dass die Namen der in Osterholz-Scharmbeck verstorbenen und auf dem Willehadi-Friedhof beerdigten Zwangsarbeiter zwar mit Gräberliste bekannt sind (siehe Anlage), die auf dem Gräberfeld liegenden Steinplatten enthalten jedoch nur die Namen russsicher Kriegsgefangener des Ersten Weltkrieges, ich gehe hier von einer Überbettung während des Zweiten Weltkrieges aus. Die Namen der in Osterholz-Scharmbeck während des Zweiten Weltkrieges verstorbenen Zwangsarbeiter werden damit aber nicht benannt, ein Verstoß gegen das Gräbergesetz. Auch auf dem Jüdischen Friedhof, auf dem nachweislich sowjetische Kriegsgefangene beerdigt wurden, erinnert kein Stein an diese Männer.

Mit besten Grüßen

Dr. Lars Hellwinkel

 

19.3.: E-Mail von Herrn Pallasch (Mitglied der Bürgerfraktionsgruppe in OHZ)

Sehr geehrter Herr Bannow.

Mich erreichte die Anfrage, wie wir zum Thema „Stolpersteine“ stehen. In der Bürgerfraktion und in der Bürgerfraktionsgruppe sind keine Tendenzen zu erkennen zusätzlich zu dem vorhandenen Mahnmal Stolpersteine zu setzen. Die Idee mit den Stolpersteinen ist uns bekannt. Städte die keine eigenen Ideen entwickelt haben können sich natürlich gut bei diesem System einkaufen.

Sicher ist Ihnen das speziell für unseren besonderen Standort entworfene Mahnmal bekannt. Hier stell sich ein stabiler Tisch in den Weg der Fußgänger. In der Innenstadt wird eindeutig erinnert und gemahnt. Nicht nur, dass diese künstlerische Anlage im städtischen Alltag wahrgenommen wird, von hier beginnen viele Aktionen zum Thema „Judenverfolgung“ du speziell zu den Geschehnissen in unsere Stadt. Eine aktive Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern setzt sich in lobenswerter Weise „gegen das Vergessen“ ein.

Auf diese Art und Weise mit dem Thema „Judenverfolgung“ umgehen zu können sind wir stolz. Mit freundlichem Gruß

Mit besten Grüßen

W.Pallasch

 

21.3.: E-Mail von Dr. Lars Hellwinkel (die E-Mail bezieht auf die Stellungnahme von Herrn Pallasch)

Lieber Herr Bannow,

die Argumentation ist mir aus Stade bekannt, Sie sollten an die Schulen herantreten, vielleicht an die IGS OHZ, die uns auch regelmäßig in Sandbostel besucht, wenn Schüler solche Stolpersteine bei ihren Städten beantragen, können die Ratsherren schon fast gar nicht mehr nein sagen.

Außerderm verweise ich erneut auf die Tatsache, dass in OHZ weder die Namen der Zwangsarbeiter auf dem Willehadi- Friedhof, noch die Namen der auf dem Jüdischen Friedhof verscharrten sowjetischen Kriegsgefangenen genannt werden, obwohl die Namen bekannt sind.

Da gäbe es noch so einige Baustellen in OHZ, die mit dem Verweis auf das Mahnmal leider nicht so einfach aus der Welt geräumt werden können.

Mit besten Grüßen

Dr.Lars Hellwinkel

 

21.3.: Antwort der Redaktion Spurensuche auf die Stellungnahme von Herrn Pallasch

Sehr geehrter Herr Pallasch,

ich bedanke mich für Ihre Antwort. Ihre Auffassung das  Städte , die keine Ideen in punkto Erinnerungskultur haben sich in das System Stolpersteine einkaufen, kann ich nicht  nachvollziehen. So gibt es inzwischen in ganz Deutschland rd. 75000 Stolpersteine und Städte bzw. Gemeinden wie Bremen, Hamburg, Lübeck, Bad Schwartau und die Gemeinde Ritterhude haben z.B. sicherlich keine Stolpersteine verlegen lassen, um sich in das System Stolpersteine einzukaufen (in diesen Städten bzw.Gemeinden habe ich im Rahmen von Projekten zur Erinnerungskultur gearbeitet). Falls Sie mir eine Stadt nennen könnten, die sich ins das System Stolpersteine eingekauft hat, wäre ich Ihnen dankbar.

Des weiteren möchte ich anmerken, dass das Gedenken an die Bürger und Bürgerinnen jüdischen Glaubens ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur ist, dass aber auch in  der Stadt Osterholz-Scharmbeck z.B Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter umgebracht worden sind und auf dem Willehadi-Friedhof (Zwangsarbeiter) bzw. auf dem jüdischen Friedhof verscharrt worden sind. Meines Erachtens tauchen deren Namen im Rahmen der Erinnerungskultur in OHZ nicht auf. Für diesen Personenkreis wären Stolpersteine z.B. eine angemessene Erinnerungsmöglichkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Bannow

 

22.3.: E-mail von Brigitte Stürmer

Moin Manfred,

Erstens stellt sich das Mahnmal nicht in den Weg der Fußgänger, es ist diskret abseits aufgestellt. Zweitens, diejenigen die sich „lobenswert“ gegen das Vergessen einsetzen sind eher Ältere, ohne die das Thema bald vergessen sein wird. … Drittens, es gibt zu viele Häuser und Geschäfte in OHZ vor denen ein Stolperstein die Erinnerung an eine verlorene Kultur , an Nachbarn und Freunde installiert werden müssten.

Tja, an Jüdisches Leben in OHZ wird sich dann irgendwann niemand mehr erinnern. Auch nicht an die anderen Opfer der Nazi Zeit.

Liebe Grüße

Brigitte