Friedrich Hinrich Bahlmann – Widerstand – Ihlpohl

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Friedrich Bahlmann

Friedrich Bahlmann wurde am 30.7.1887 in Bremen geboren.  Seit dem 6.11.1921 lebte er in Ihlpohl  (Alter Postweg 20) in einer zwischen 1919/20 errichteten sogenannten Kleinhaussiedlung. Mit dem Bau dieser Siedlung veränderte sich die Sozialstruktur der in Ihlpohl lebenden Bevölkerung. So verdoppelte sich die Anzahl der Einwohner auf 550 Personen. Dazu stellte das zuständige Landratsamt 1921 fest, dass aus Bremen einige leistungsschwache Familien, meist Kriegsinvalide mit kinderreichen Familien, zugezogen wären. Mit dem Zuzug aus Bremen wurde aus Ihlpohl ein „rotes“ Ihlpohl. Friedrich Bahlmann, der führender KPD-Funktionär in Ihlpohl und dem Kreis Osterholz war, gehörte vor 1933 der Gemeindevertretung in Ihlpohl und dem Kreistag an. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging Bahlmann in die Illegalität und arbeitete für die KPD.  Über die Zeit in der Illegalität stellte Bahlmann fest, dass er kurz nach der Machtübernahme erfahren hätte, dass er und sechs weitere KPD-Funktionäre festgenommen werden sollten. Er beschloss unterzutauchen und versteckte sich bei alten Leuten in Ihlpohl. Nachts hätte er für die KPD gearbeitet. Nach einiger Zeit wäre er dort nicht mehr sicher gewesen. Willi Lübbers aus Ihlpohl brachte ihn deshalb mit seinem Motorrad nach Bremen. In Bremen versteckte sich Bahlmann in der Landbude seines Schwiegervaters. Während seiner Abwesenheit wurde Bahlmanns Wohnung in Ihlpohl mehrmals durchsucht und überwacht. (1) Am 17.8.1933 berichteten die Bremer Nachrichten „Vernichtender Schlag gegen die KPD in Bremen.“ In dem Artikel hieß es, dass mit Bahlmann ein Hetzer der übelsten Sorte festgenommen worden wäre, der seit Monaten flüchtig gewesen wäre. (2)  Eine offizielle Gerichtsverhandlung gegen Bahlmann gab es nicht.

Bahlmann überlebte die NS-Diktatur. In seinem Antrag auf Haftentschädigung aus dem Jahr 1949 führte er aus, dass er am 10.8.1933 festgenommen und im KZ Ochtum-Sand und im KZ Langlütjen inhaftiert worden wäre. Dort sei er misshandelt worden. Nach seiner Entlassung wurde Bahlmann unter Polizeiaufsicht gestellt und arbeitete bei Notstandarbeiten am Deichbau in Ritterhude.  Zwischen 1936-1945 arbeitete er bei der AG Weser.

Nach 1945 war Bahlmann wieder für die KPD im Landkreis Osterholz aktiv, u.a. in der Gemeindevertretung und im Kreistag.  Er erhielt vom Hauptausschuss ehemaliger politischer Häftling in Niedersachsen einen Ausweis, der ihn als politisch Verfolgten auswies. Damit hatte er einen Anspruch auf Sonderunterstützung. Einen Antrag auf Haftentschädigung stellte Bahlmann im November 1949. Im Bescheid des zuständigen Kreisausschusses hieß es, dass Bahlmann seit jeher der KPD angehört hätte und ausschließlich aus politischen Gründen inhaftiert worden wäre. Daher hätte Bahlmann Anspruch auf eine Haftentschädigung und zwar für die Zeit, in der er in der der Illegalität gelebt hätte und für die Zeit der KZ-Haft.

In einem weiteren Bescheid vom September 1950 wurde ein Antrag von Bahlmann auf Auszahlung „einer Geldrente“ abgelehnt. In der Begründung für die Ablehnung stand, dass Bahlmann nachweislich verschiedene gesundheitliche Einschränkungen hätte. Von ärztlicher Seite wäre ihm eine Erwerbsminderung von 40% assistiert worden. Ein Zusammenhang zwischen der Inhaftierung und Bahlmanns gesundheitlichen Beschwerden wurde aber angezweifelt. Bahlmann widersprach dieser Einschätzung. Der Aufforderung, sich in einem Krankenhaus nochmals untersuchen zu lassen, kam er aber nicht nach. Er vertrat die Auffassung, dass ihm durch zwei Ärzte eine Erwerbsminderung zuerkannt worden wäre. Eine weitere Untersuchung würde nichts anderes ergeben. Bahlmann legte in der Folgezeit erfolglos Widersprüche gegen weitere ablehnende Bescheide ein. (3)  Im Mai 1966 verstarb Friedrich Bahlmann.

(1): Nieders. Landesarchiv/Stade: Rep.210-Nr.1827

(2): Bremer Nachrichten, 17.8.1933, S.1

(3): Nieders. Landesarchiv/Stade: Rep.210-Nr.1827

 

Autor: Manfred Bannow

Veröffentlicht am

Diese Seite wurde zuletzt am 1. April 2020 geändert

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