Fritz Drettmann Werke

Drettmann-Werke
Zwangsarbeiter

Im Juli 1933 meldete Fritz Drettmann in der Gröpelinger Heerstr.253 ein Unternehmen für die Reparatur von Anhängern „aller Art“ an. Ein Jahr später wurde der Betrieb nach Bremen-Burgdamm verlegt. Eine geplante Erweiterung der Fabrikanlagen fand in den folgenden Jahren nicht statt, sondern die Firma siedelte nach Osterholz-Scharmbeck, auf das ehemalige Gelände der Frerichs`schen Schiffswerft, um. Heute befindet sich auf dem Gelände die Osterholz-Scharmbecker Stadthalle. In den folgenden Jahren entstand in der Bremer Str. eine Werkssiedlung der Firma Drettmann, u.a. zwischen der Luisen- und Hedwigstrasse. Mit dem Beginn des 2.Weltkrieges wurde die Produktion der Drettmann-Werke umgestellt. Die Firma stellte Drehkreuze für 8,8 Zentimeter-Flakgeschütze her. Um die Rüstungsproduktion im Deutschen Reich aufrecht zu erhalten, wurden bis 1945 mehr und mehr Menschen verschiedener Nationen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. In den Drettmann-Werken kamen ab 1942 bis 1945 rd. 600 Zwangsarbeiter aus Russland, der Tschechoslowakei, Polen, Holland, Frankreich und Belgien zum Einsatz. (1)  Die meisten von ihnen waren in Barackenlagern untergebracht. Das größte Lager lag im Anschluss an die Drettmann-Werkssiedlung in der Bremer Straße zwischen der Luisenstr. und der Hedwigstr.. Eine weitere Baracke gab es gegenüber der Einmündung der Straße Osternheide in die Bremer Str.. Auf dem Firmengelände stand ebenfalls eine Holzbaracke, in der Zwangsarbeiter untergebracht waren.

Es kam zu Misshandlungen von Zwangsarbeitern. So soll der Vorarbeiter und SA-Führer Theodor Dornstedt wiederholt Zwangsarbeiter in den Werkshallen geschlagen haben (2) und es kamen Zwangsarbeiter   in den Drettmann-Baracken bzw. im Haus Reddersen um. Bisher sind die Namen folgender Opfer bekannt:

 Praskovja Kurilik: geb. 15.10.1884, umgekommen am 26.1.1945 im Lager Drettmann

 Wasilij Proswirkin: geb. 27.2.1913, umgekommen am 27.4.1944 im Lager Drettmann

Matwey Struschuk: geb. 5.5.1879, umgekommen am 22.1.1945 im Lager Drettmann

Sergej Djakow: geb. 23.9.1923, umgekommen am 28.2.1945 im Lager Drettmann

Semjon Alferenko: geb.  12.2.1902, umgekommen am 19.4.1944 im Haus Reddersen in Bremen,  Luisenthal 4  (3)

Das Haus Reddersen war ursprünglich die erste bremische Pflege- und Erziehungsanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche, die 1898 eröffnet wurde. Ab Januar 1944 wurde die Anstalt als „Krankenhaus“ für Zwangsarbeiter benutzt, die nicht mehr einsatzfähig waren. Zwischen Januar 1944 bis Mai 1945 kamen gut 1000 Zwangsarbeiter ins Haus Reddersen. Eine Schwester, die in dem Gebäude arbeitete, erinnerte sich:

„Sie alle waren so elend und ohne Hoffnung … und sie hatten Angst, als sie zu uns kamen…“ (4)

Im Haus Reddersen könnte Semjon Alferenko Wenzel Drab begegnet sein, der als Zwangsarbeiter bei der Firma Stehnke aus Osterholz-Scharmbeck arbeiten musste und am  11.9.1944 im Haus Reddersen umkam.

Neben Zwangsarbeitern kamen in den Drettmann-Werken auch Insassen aus der Haftanstalt Bremen-Oslebshausen zum Einsatz (5), die in einer Steinbaracke auf dem Firmengelände untergebracht waren.(6) Kurz vor Kriegsende wurde diese Baracke, die durch Bombenabwürfe auf die Firma beschädigt worden war und nicht mehr durch Strafgefangene belegt war durch die Stadt enteignet, um dort Kriegsgefangene unterzubringen.(7)

Im November 1944 wurden 267 Häftlinge bei den Drettmann-Werken eingesetzt. In einer zahlenmäßigen Auflistung wurden von ihnen 146 als sogenannte Kriegstäter bezeichnet. Von diesen seien 136 von einem Zivilgericht und 10 von einem Militärgericht verurteilt worden. (8) Bei den sogenannten Kriegstätern handelte es sich um Verurteilte, die auf Grundlage der Kriegssonderstrafrechtsverordnung verurteilt worden waren. Unter diese Verordnung fielen Vergehen wie: Zersetzung der Wehrkraft (z.B. war die Aussage beim Einkaufen „der Krieg ist verloren“ Wehrkraftzersetzung und führte bei Zivilisten zu einer Aburteilung durch ein Sondergericht, sprich Zivilgericht). Weitere Vergehen waren das unerlaubte Entfernen von einer Militäreinheit, Fahnenflucht und verschiedene andere disziplinarische Vergehen. Als Kriegstäter verurteilt worden zu sein, bedeutete auch, dass die Strafe z.B. mit dem Einsatz bei den Drettmann-Werken nicht als Verbüßen der Strafe bewertet wurde, sondern dass das Verbüßen der Strafe erst nach Beendigung des Krieges vorgesehen war.(9)

(1)    Siehe u.a.:ITS Archives Arolsen, AOK-Listen Kreis Osterholz

(2)    „1945 Kriegsende und Neubeginn“ von Michael Wilke u. Nicole Koch (Eine Serie im Osterholzer Kreisblatt) 1996, S.55-56

(3)   Die Sterbeurkunden der umgekommenen Zwangsarbeiter sind im Online Archiv

des ITS Archives Arolsen unter Eingabe des jeweiligen Namens einsehbar.

(4)   Gerda Engelbracht, Das Haus Reddersen, Bremen 1995, S.58-60

(5)   Hans Jochaim Kruse, Das Bremer Gefängniswesen im III. Reich, Norderstedt 2004 S.128-131

(6) Nieders. Landesarchiv: NLA Stade Rep.180 P Nr.1666

(7) StadtA OHZ Kriegsakten, 12, Schreiben der Stadt Osterholz-Scharmbeck an den Landrat betr. Unterbringung von  von russischen Kriegsgefangenen und ebd.: Landrat Dr.Becker an die Fahrzeugwerke Drettmann vom 1.5.1945 „Beschlagnahme“.

(8)   Staatsarchiv Bremen 4.80 III.205 Nachweisung über den Bestand v.Gefangenen

(9)    Siehe u.a.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus hrsg.v.: Wolfgang Benz,Herrmann Graml u. Hermann Weiß, München 1997, S.556-557

Autor: Manfred Bannow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht am

Diese Seite wurde zuletzt am 11. Juli 2021 geändert

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