Heinrich Müller – Lehrer und NSDAP-Ortsgruppenleiter in Alt-Ritterhude

1936 - Aufmarsch in Ritterhude

Ortsgruppenleiter wurden auf Vorschlag des Kreisleiters vom Gauleiter ernannt. Eine der wichtigsten Aufgabe eines Ortsgruppenleiters war die Beobachtung, Betreuung und Überwachung der in ihrem Hoheitsgebiet wohnenden Bevölkerung. (1) Der Kreis Osterholz gehörte zum Gau Ost-Hannover. Gauleiter war von 1928 bis Kriegsende Otto Telschow. Aus einem Rundschreiben der Gauleitung Ost-Hannover vom 21.10.1932 geht hervor, dass es u.a. auch in Ritterhude keine eigenständige NSDAP-Ortsgruppe gab. Der Leiter der Ortsgruppe Osterholz-Scharmbeck, ein Georg Arfmann, war für die sogenannten NSDAP-Stützpunkte in Freissenbüttel, Ritterhude, Oldendorf, Ahrensdorf, Hambergen, Grasberg, Huxfeld, Lilienthal, Rautendorf, Tüschendorf und Worpswede zuständig. (2)

Ab März 1933 kam es dann zur Gründung verschiedener NSDAP-Organisationen in Ritterhude.  1934 ist Friedrich Köhler NSDAP-Ortsgruppenleiter in Ritterhude.(3)  Diese Funktion hatte Heinrich Müller spätestens ab 1936 inne. (4)

Heinrich Müller wurde am 4.6.1891 in Inschede im Kreis Verden geboren. 1911 war er in Ritterhude als Lehrer tätig. Als Soldat wurde er im 1.Weltkrieg verwundet und als vermisst gemeldet. Zwischen 1921 und 1931 war er als Lehrer und Organist in St.Jürgen (Lilienthal) angestellt. 1931 zog er zurück nach Ritterhude und begann seine Lehramtstätigkeit an der Riesschule. Am 1.5.1933 trat er, ebenso wie sein Schulleiter Schnackenberg, in die NSDAP ein. Kurz vor Kriegsende 1944 organisierte Heinrich Müller zusammen  mit Christian Evers den Ritterhuder Volkssturm.  Im selben Jahr musste Müller seine Lehramtstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beenden (5)

Seinen Eintritt in die NSDAP begründete er nach 1945 damit, dass die sozialen Probleme ja irgendwie hätten gelöst werden müssen. Außerdem hätte er geglaubt, dass Hitler ehrlich bestrebt gewesen wäre, den Frieden zu wahren. Der Notwendigkeit einer starken deutschen Wehrhaftigkeit hätte er sich aber nicht verschließen können, da Deutschland ein sicheres Bollwerk gegen den östlichen Bolschewismus sein musste. Er hätte sich nie als Faschist gefühlt.  Er wäre vom Kreisleiter Löffler zum Ortsgruppenleiter bestimmt worden und er hätte dies Amt nie angenommen, wenn nicht das ehemals rote Ritterhude in Abstimmungen dem herrschenden Regime immer wieder das Vertrauen ausgesprochen hätte. Müller betonte außerdem, dass er nie etwas unternommen hätte, um politische Gegner hinter Stacheldraht zu bringen. (6)

Nach Kriegsende wird Müller mit großer Wahrscheinlichkeit interniert. 1947 wurde Müller im Rahmen eines Entnazifizierungsverfahrens als Minderbelasteter eingestuft (Stufe III) mit der Auflage, dass er nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt werden dürfte. Unter Verweis auf ein Gutachten des Gesundheitsamtes Osterholz aus demselben Jahr, legte Müller Widerspruch ein, da er arbeitsunfähig wäre und ihm bei Stufe III keine Pension zustände.

Im Dez.1948 wird Müller dann in Stufe IV/Mitläufer eingestuft. In dem Bescheid stellte die zuständige Behörde fest, dass der Betroffene das Nazisystem als Ortsgruppenleiter gefördert und unterstützt hätte. Dabei hätte er sich aber in solchen Grenzen bewegt, dass er Menschlichkeit und Anstand nicht verletzt hätte. Abschließend heißt es, dass Müller ein gläubiger Anhänger Hitlers gewesen wäre. (7)

 

(1) vgl.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus hrsg.v.: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß, S.629, München 1997

(2) vgl.: Dirk Stegmann, Politische Radikalisierung in der Provinz, S.418, Hannover 1999

(3) vgl.: Kreisarchiv Osterholz  Akte: 003.01.04.04.54

(4) vgl.: ebd.

(5) vgl.: Niedersächsisches Landesarchiv/Stade : Rep. 275 II Nr.13290

(6) vgl.: ebd.

(7) vgl.: ebd.

*Heinrich Müller wohnte lt. Adreßbuch für den Landkreis Osterholz-Blumenthal/Jg.1938 in Ritterhude in der Schulstr.498. Lt. einem Aufsatz von Helga Müller in dem Ritterhuder Heft Nr.6/1984-S.10 wurde 1950 aus der Schulstr. die Schillerstr.

Autor:  Manfred Bannow

 

 

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