Krieg gegen Kinder/“Ausländerkinder-Pflegestätten“/Buschhausen

Schlagwörter

 

Die sogenannten „Ausländerkinder-Pflegestätten“ waren ein Baustein der nationalsozialistischen Rassenpolitik und des Einsatzes von Zwangsarbeitern im 3. Reich. So wurden Säuglinge und Kleinkinder von ausländischen Arbeitskräften in „Heimen“ untergebracht, in  denen viele von ihnen starben. In Niedersachsen gab es mindestens 58 derartige Unterkünfte und weitere 31 waren bis 1945 in Planung.

Im Kreis Osterholz waren „Ausländerkinder-Pflegestätten“  für die Unterbringung heranwachsender Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr von Polinnen und Ostarbeiterinnen  zumindest in Planung.

Am weitesten fortgeschritten waren die Pläne für ein „Heim“ in Buschhausen bei Osterholz-Scharmbeck. Die Einrichtung war für 100 Kinder geplant und sollte in „einer Massivbaracke, die dem Kreiskommunalverband von der Oberbauleitung der Kriegsmarine zur Verfügung gestellt wurde“, entstehen. Der Träger war der Kreiskommunalverband Osterholz und die Aufsicht bzw. Verwaltung sollte die ehem. Säuglingskinderschwester Regina Leibold übernehmen. Die Baracke lag in einer Sandgrube an der Straße nach Buschhausen.(1)

Auch für das Durchgangslager in Ritterhude gab es zumindest entsprechende Überlegungen. In einem Schreiben des Bremer Bausenators an den Landrat des Kreises Osterholz aus dem Jahr 1944 heißt es:

„Mit bezug auf die gemeinsame Besprechung vom 15.3.1944 an Ort und Stelle stelle ich Ihnen für die Unterbringung von Kindern landwirtschaftlicher Ostarbeiterinnen und Polinnen eine halbe Baracke… in dem Hansestadt Bremen gehörigen Lager Sandberg in Ritterhude zur Verfügung… Die Nutzung des Lagers soll solange, voraussichtlich längstens 3 Monate erfolgen, bis die vom Kreis in Heidberg und Neuenkirchen in Bau befindlichen Unterkünfte fertig gestellt sind“(2)

 

Anm.:

(1) Niedersächsisches Landesarchiv/Stade: Rep.180-Nr.1482

(2) Staatsarchiv Bremen: Bestand-4.29/Nr.1385

Weiterführende Literatur:

Gisela Schwarze, Kinder,  die nicht zählten – Ostarbeiterinnen und ihre Kinder im Zweiten Weltkrieg, Essen (1997)

Raimond Reiter, Tötungsstätten für ausländische Kinder im Zweiten Weltkrieg, Hannover (1993)

 

 

Kommentieren Sie den Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.