Lufthauptmunitionsanstalt Lw.2/XI/Muna Lübberstedt

1. Januar 1940
Unter den Eichen 26, Axstedt

Nachdem bereits ab 1936 in Oldendorf ein erstes Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) errichtet worden ist, entstehen in Lübberstedt und Axstedt ab Herbst 1939 mehrere große Barackenlager für die Unterbringung von RAD, Wehrmachts-Bautrupps, Gefolgschaftsmitglieder und angeworbenen Gastarbeitern. Ab Jahresbeginn 1940 wurde mit dem Bau der Lufthauptmunitionsanstalt unter der Tarnbezeichnung Lw. 2/XI begonnen.  Einige Lager wurden ausschließlich für die Unterbringung der sog. Ostarbeiter , welche aus den von den Nazis besetzten Gebieten ins Deutsche Reich verschleppt wurden, errichtet. Von Beginn an wurden aber auch Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in der Muna eingesetzt. Zunächst kamen diese aus Polen , später dann auch aus Belgien, Frankreich, Italien, Serbien, Baltikum, Ukraine und Russland. Ab Herbst 1941 wurde mit der Produktion u.a. von Spezialmunition wie Seeminen für die Luftwaffe begonnen. Die Kernfläche der Muna beträgt ca. 414 ha und hat einen direkten Gleisanschluss zur Bahnstrecke Bremen – Bremerhaven. Der interne Verkehr wurde über 30 km Straßen und 8,5 km Schienennetz geregelt. Neben einer Kaserne , die sich außerhalb der Muna befand , gehören 8 Dienstgebäude, 22 Produktions- und Füllanlagengebäude und 109 Bunker zum Muna Gelände. Viele von diesen Gebäuden wurden zum Kriegsende jedoch gesprengt.

Ende August 1944 wurden 500 ungarische Jüdinnen per Viehwaggon aus Auschwitz nach Lübberstedt deportiert. Die Unterbringung erfolgte unter Bewachung der SS im ehemaligen Ostarbeiter Lager Ohlenstedt-Bilohe, welches direkt am Südtor der Muna gelegen war. Die Häftlinge wurden täglich von SS Aufseherin zur Zwangsarbeit in die Muna geführt. Zum Kriegsende wurden die KZ Häftlinge in Waggons gepfercht und kreuz und quer durch Norddeutschland transportiert und sollten letztendlich auf die „Cap Arcona“ gebracht zu  werden.  Aufgrund von zwei englischen Tieffliegerangriffen , wurde der Zug jedoch schwer getroffen und nur ca. 320 Frauen überlebten den Transport. Nach ihrer Befreiung konnten einige Überlebende wieder in Ihre Heimat zurückkehren. Viele aber hatten ihre ganze Familie in Konzentrationslagern verloren und wanderten nach  Israel, England, USA und Australien aus. Der Arbeitskreis Muna e.V. pflegt auch heute intensive  Kontakte zu Überlebenden und deren Familien. Im Mai 2018 besuchten zwei Überlebende mit Ihren Familien den Arbeitskreis Muna e.V. und kehrten noch einmal an den Ort zurück , wo Sie vor über 70 Jahren qualvoll eingesperrt waren. Nach dem Krieg stand die Muna erst unter Befehlsgewalt der englischen  und später  der amerikanischen Besatzungstruppen. Teile der Muna Gebäude wurden derzeit als DRK Kinderheim und „Ostzonen“- Aussiedlerheim genutzt. Am 2. Mai 1956 übergaben die Amerikaner die Muna offziell an die neugegründete Bundeswehr , welche das Gelände als Munitionsdeport nutzte. Einige Bunker wurden im Rahmen der NATO auch von amerikanischen und niederländischen  Streitkräften genutzt. Nach Abzug der Bundeswehr Anfang 2010 ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Eigentümerin der Muna. Sie optimiert und sichert mit der gemeinnützigen DBU Naturerbe GmbH wertvolle Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten. In der Zukunft sollen diese Flächen auch den Menschen als Erholungsort dienen. Aktuell darf die Muna jedoch nicht betreten werden. Der am 27.1.1996 gegründete Verein Arbeitskreis Muna e.V. bietet interessierten Menschen monatliche geschichtliche Erinnerungstouren durch die Muna an. Informationen zur Vereinsarbeit und Ansprechpartner finden Sie im Internet unter www.muna-luebberstedt.de

 

Verfasser: Hartmut Oberstech

Arbeitskreis MUNA Lübberstedt e.V.

 

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