Jan Alfred und Ireneusz Obrempalska – Kinder ohne Wert in Ritterhude

6. August 1942
Dammgut in Ritterhude/das Foto ist 2012 aufgenommen worden
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Für die NS-Rassenideologie waren Kinder von Zwangsarbeiterinnen Kinder, die keinen Wert hatten. Schwangerschaften von Zwangsarbeiterinnen wurden zu einem Problem der besonderen Art.  Zwangsarbeiterinnen, die während ihres Einsatzes in Deutschland schwanger wurden, wurden anfangs in ihre Heimat zurückgebracht. Als  jedoch die Zahl von Schwangerschaften unter den östlichen Zwangsarbeiterinnen anwuchs, wurden die Regeln für den Arbeitseinsatz geändert. Das Reichsicherheitshauptamt veranlasste, dass Kinder, die nicht als „gutrassig“ beurteilt worden waren, in sogenannte Ausländer-Pflegestätten untergebracht wurden. In diesen sogenannten Pflegestätten  starben je nach „Heim“  zwischen 25 bis 50% der Kinder u.a. an Unterernährung.

In einem Schreiben vom 11.8.1943 erklärte das Hauptamt für Volkswohlfahrt, dass viele Säuglinge von Ostarbeiterinnen wegen Unterernährung zugrunde gingen. Es bestünde vielfach die Auffassung, dass es keine Aufzucht dieser Kinder geben sollte, sondern dass man sie sterben lassen sollte. (1)

Auch in Ritterhude gab es Planungen, eine halbe Baracke auf dem Gelände des Sandberglagers für die Unterbringung von Kindern zu nutzen, die von Zwangsarbeiterinnen zur Welt gebracht worden waren. Ob diese Pläne umgesetzt wurden, konnte bisher nicht geklärt werden. (2) Kinder von Ostarbeiterinnen wurden allerdings auch in der Gemeinde Ritterhude geboren bzw. starben in Ritterhude und Umgegend.

So brachte die am 1.2.1906 in Polen geborene Konstancia Obrempalska, die 1940 nach Deutschland deportiert wurde und in Ritterhude bis Mai 1945 als Landarbeiterin für die Familie Rex-Gröning auf den Ländereien des Dammesgutes arbeiten musste (3), in der Gemeinde Ritterhude zwei ihrer Kinder zur Welt: am 6.8.1942 Jan Alfred Obrempalska und am 30.5.1944 Ireneusz Obrempalska.  Nach Kriegsende lebte Frau Obrempalska mit ihren Kindern u.a. in einem Displaced Camp in Blumenthal. (4)

Stellvertretend für die Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die die NS-Herrschaft nicht überlebten, sei an dieser Stelle an:

Jevonzin Terechowa (geb. 2.10.44 in Ritterhude. Der genaue Todeszeitpunkt ist unbekannt, ebenso wie die Todesursache. (5)

Lauma Jacobson (geb. 15.11.1944, gestorben 14.4.1945 in Ritterhude.

Nationalität der Mutter: vermutlich Lettin). Die Todesursache ist nicht bekannt. (6)

und Warsili Dandsalin  (geb am 26.3.1944 in Wesermünde,  gestorben am 22.4.1945 im Lager Teufelsmoor an einer  Lungenentzündung / Nationalität: Russe) erinnert. (7)

Anm.:

(1): vergl: Raimund Reiter, Tötungsstätten für ausländische Kinder im Zweiten Weltkrieg, Hannover 1993

(2) Staatsarchiv Bremen: 4.29-1385

(3): ITS Archives, Bad Arolsen: 3.2.1.1/79540630

(4):ebd.

(5) ebd.: 0.1./55838086

(6) ebd.: 2.1.2.1/70718754

(7) ebd.: 2.1.2.1./7071842

Autor: Manfred Bannow

 

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