Der jüdische Bürger Jacob Simon aus Ritterhude und seine Familie

18. November 1941
27721 Ritterhude
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Der jüdische Bürger Jacob Simon aus Ritterhude  und seine Familie

Anbaustelle Nr.75, Fergersbergstraße 20, Adolf Hitler Str.302, ab 1945: Goethestr. 28

Simon Nathan war der erste aus der jüdischen Familie Simon, der einen Schutzbrief erhielt und 1744 in Ritterhude siedelte. Er war Schwiegersohn des Schutzjuden Levi Herz aus Osterholz. Levi Herz übertrug seinen Schutzbrief auf Simon Nathan.

Am 10.Dezember 1782 wurde Nathan Simon nach dem Tode des Vaters Simon Nathan der Schutzbrief übertragen. Nathans Sohn, Levi Simon, geboren um 1803, war ab 2.03.1852 als Handelsmann in Ritterhude tätig. Er handelte mit Tuchwaren, Ellenwaaren. (Quelle: Prozess 1833, Levi Simon gegen Andreas Murken).

Da Levi Simon fast die ganze Familie finanziell unterhalten musste, bemühte er sich um den Schutzbrief seines verarmten Vaters und wurde dabei von dem Vorsteher Nathan Cohen unterstützt.

Levi Simon heiratete um 1833 die Tochter des David Hirschberg, Sarie Hirschberg (22.10.1847 in Ritterhude verstorben). Ihre Tochter Hannchen Simon, die 1833 geboren wurde, heiratete den Zigarrenfabrikanten Simon Leeser aus Ritterhude. 

In 2. Ehe heiratete Levi Simon Adelheit Edel Herz Rennberg, geboren 1813 in Ritterhude. Ihre jüngste Tochter Sophie Simon, geboren 1855, vermählte sich mit Hartog ter Berg aus Groningen. Sophies Tochter Johanna ter Berg /Levy, geboren 1895 in Ritterhude, gehörte zu den Opfern des Holocausts. Sie wurde am 19.11.1942 gemeinsam mit ihrem Mann Louis Levy und ihrer Tochter Helga Levy in Ausschwitz ermordet.

Sohn Nathan Simon aus 1. Ehe führte die Schlachterei ab 26.05.1872 weiter.

Er heiratete Mathilde Liebe Cohen, Tochter des Ritterhuder Schlachters Jacob Cohen. Er  kaufte die Anbaustelle Nr. 75 (Fergersbergstraße ) und später das Grundstück Goethestraße 28. Hier errichtete er ein Wohnhaus und die eigene Schlachterei.

Jacob Simon wurde am 12.01.1883 als 4. Kind der Familie Simon geboren. Jacob erlernte das Schlachterhandwerk und übernahm nach dem Tod des Vaters 1911 die Schlachterei. Seine Frau Berta, geborene Samson aus Zeven, half in der Schlachterei mit. Berühmt und begehrt war die „Zipfelwurst“ der Simons, Wurstenden, die nicht verkauft worden sind, schenkten sie Bedürftigen. Der einzige Sohn der Familie, Norbert, geboren 1912, war halbseitig gelähmt. Auch die Familie Simon hatte unter dem Terror des Nazi Regimes zu leiden. In der Nacht zum 10.November1938 (Novemberpogrom) wurden sie wie die Familie Cohen und die Familie ter Berg auf Befehl des Lesumer Bürgermeisters Köster von SA-Männern abgeholt in einem LKW nach Niederblockland gefahren und durch die Wümmewiesen gejagt.

Eine Frau sah ihre Rückkehr: Ich erinnere mich sehr gut, so etwas kann man nicht vergessen. Mit einer Bekannten stand ich an der Ecke bei Rex (Dammgut) Da sahen wir sie die Dammstraße her aus den Wiesen kommen. Männer, Frauen und Kinder in Nachthemden, barfuß, die Haare strähnig und nass. 5 bis 6 Juden aus den Familien Cohen und Simon, von ter Bergs habe ich niemanden gesehen. Und hinterher Leute mit Swippeitschen, die sie durch die Gräben getrieben hatten.“

Nach dem Novemberpogrom musste Jacob Simon sein Geschäft aufgeben. Er zog mit seiner Familie in das Obergeschoss ihres Hauses in der heutigen Goethestraße 28.

Nach dem Deportationsbefehls vom 24.Oktober 1941 durch Kurt Daluege wurden 

am 18.November vom Bremer Hauptbahnhof aus 570 Juden nach Minsk deportiert. 440 Juden kamen aus Bremen und 130 aus dem Regierungsbezirk Stade. Der Zug verließ morgens um 8.40 Uhr die Stadt Bremen in Richtung Hamburg zur Weiterfahrt nach Minsk. Im Zug saßen die drei Ritterhuder Familien, Simon, Cohen, ter Berg und mit ihnen einige ihrer engsten Familienmitglieder aus Bremen und Stade.

Deportation in das Ghetto Minsk am 18.November 1941 

Jacob Simon geboren am 12.01.1883 in Ritterhude wurde am 18.November 1941 von Bremen über Hamburg in das Ghetto Minsk deportiert. 

Berta Simon /Samson geboren am 14.03.1884 in Zeven wurde am 18.November 1941 von Bremen über Hamburg in das Ghetto Minsk deportiert.

Norbert Simon geboren am 27.12.1911 in Ritterhude wurde am 18.November 1941 von Bremen über Hamburg in das Ghetto Minsk deportiert.

Sophie Simons/Hartog ter Bergs Kinder 

Johanna Ter Berg /Levy, geboren 1895 in Ritterhude, wurde 1942 in Ausschwitz ermordet. 

Isaak Hartog ter Berg, geboren 1886 in Ritterhude, wurde 1942 in Ausschwitz ermordet.

Levy ter Berg wurde mit seiner Ehefrau nach Riga deportiert. Todesdatum:06.12.1941.

Rebecca Sara ter Berg und ihr Ehemann Alfred Herz wurden 1941 nach Minsk deportiert und 1942 ermordet. Todesdatum von Rebecca  28.07.1942.

Elias ter Berg, seine Ehefrau Mathilde Rothschild und Tochter Jenny wurde am

18.11.1941 von Bremen aus über Hamburg nach Minsk deportiert. Todesdatum von Elias ter Berg: 28.07.1942 in Minsk.

Johanna ter Berg und ihr Ehemann Louis Levy wurden von Holland aus nach Ausschwitz deportiert. Todesdatum der Eheleute: 19.11.1942. Ihre Tochter Helga Levy wurde im Jahr 1942 ebenfalls in Ausschwitz ermordet.

Semmi Simon ter Berg wurde ab Bielefeld nach Sachsenhausen deportiert und dann in Ausschwitz ermordet. Todesdatum: 02.03.1943.

Autor: Brigitte Stürmer

Quellen: Prozess 1833: Levi Simon gegen Andreas Murken.

Ein Hinweis zu “Der jüdische Bürger Jacob Simon aus Ritterhude und seine Familie”

  1. Klaus-Dieter Klinder sagt:

    Schlachtermeister Jakob Simon hatte mit der Dienstmagd Ella Bertha Klinder einen unehelichen Sohn,
    Otto Klinder geb am 27.04.1924, gestorben 1997 in Bremen. Abschrift vom Amtsgericht liegt vor.
    Otto Klinder hatte mit Ehefrau Lieselotte Klinder, geborene Lükensmeier 6 Kinder.
    Herbert Klinder, Klaus-Dieter Klinder, Detlef Klinder, Bernd Klinder, Renate Klinder und Petra Klinder.

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